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Faktencheck Aluminium

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Das Leichtmetall Aluminium steckt in Lebensmitteln, Kosmetika und Arzneien. Es ist in hoher Dosis giftig und wird sogar verdächtigt, Brustkrebs und Alzheimer auszulösen. Höchste Zeit für eine Faktencheck findet die Zeitschrift bild der wissenschaft in Ausgabe 1-2017. Recherchiert und geschrieben wurde der umfangreiche Artikel vom Wissenschaftsjournalisten Dr. Frank Frick.

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Aluminium – wie gefährlich ist es?

Der öffentliche Streit wird mit harten Bandagen ausgetragen. In einem Artikel auf Spiegel Online schreibt der Journalist Silvio Duwe: „Trotz fehlender wissenschaftlicher Belege zieht ein Medizinjournalist mit seinen Warnungen durchs Land – und macht aus der Angst vor dem Metall ein Geschäft.“ Gemeint ist Bert Ehgartner, Produzent der Fernsehdokumentation „Die Akte Aluminium“ und Vorsitzender des „Al-ex Institut zur Wissensvermittlung im Umgang mit Aluminium“. Silvio Duwe wirft Ehgartner vor, sinnlose Messungen von Aluminium im Urin anzubieten sowie auf esoterischen Veranstaltungen aufzutreten. Ehgartner keilt zurück: Duwes Artikel beruhe auf Informationen des Internet-Portals Psiram, das schon seit Langem eine Schlammschlacht gegen ihn führe.

Der Verdacht, Aluminium gefährde schon in niedrigen Konzentrationen die Gesundheit, ist schwerwiegend. Denn Aluminium ist nicht nur als Werkstoff in unserem Alltag weit verbreitet.  In Form von Salzen ist es natürlicher Bestandteil im Trinkwasser – zusätzlich werden in manchen Kläranlagen Aluminiumverbindungen zur Schmutzabtrennung verwendet.

Eine allgegenwärtige Substanz

Unbehandelte Lebensmittel wie Kaffeebohnen, Teepflanzen, Früchte und Gemüse enthalten ebenfalls Aluminiumverbindungen. Hinzu kommen industrielle Quellen für Aluminium in unserer Nahrung: Lebensmittelzusatzstoffe sowie Dosen, Folien und Tuben, aus denen das Leichtmetall auf Lebensmittel übergeht.  2015 wurden in Deutschland 339000 Tonnen Aluminium für Verpackungen verbraucht.

Daneben sind Aluminiumverbindungen Bestandteil vieler Arzneimitteln gegen Sodbrennen. Diese Antazida, die mit der Salzsäure im Magen reagieren und so den dort herrschenden pH-Wert erhöhen, sind oft rezeptfrei erhältlich. Auch in Impfstoffen werden Aluminiumsalze seit rund 80 Jahren eingesetzt – als sogenannte Adjuvantien zur Wirkungsverstärkung (siehe „xxx“ auf S. xx). Ohne sie sei bei Impfstoffen, die abgetötete Erreger oder inaktivierte Giftstoffe enthalten, „eine effektive Impfung nur schlecht oder gar nicht möglich“, schreibt das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), das deutsche Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneistoffe.

Aluminiumverbindungen sind außerdem in vielen Kosmetika enthalten. So mischt die Industrie rund fünf Prozent des Leichtmetalls als Schweißhemmer unter viele Deodorants, meist in Form von Aluminiumchlorohydrat. Auch in Farbstoffen, Stabilisatoren und als Quellstoff in Lippenstiften, Lidschatten, Zahnpasten und Sonnencremes steckt Aluminium.

Rund 54 Millionen Tonnen Aluminium verwendete die Menschheit 2014. Das ist zwar weniger als die rund 300 Millionen Tonnen Kunststoff, die im gleichen Jahr verbraucht wurden. Dennoch ist es zweifellos eine gewaltige Menge – und ein gewaltiges Geschäft obendrein. Jeder, der sich zu den möglichen Gesundheitsgefahren von Aluminium äußert, muss daher damit rechnen, dass ihm finanzielle Interessen unterstellt werden: Leicht gilt er als von der Aluminium-, Pharma- oder Lebensmittelindustrie gekauft.

Umso wichtiger ist es, mit offenen Karten zu spielen – damit jeder selbst entscheiden kann, ob der Autor befangen ist, weil er manchmal für Chemieunternehmen schreibt. Oder weil seine Nachbarn für einen Aluminium-Betrieb arbeiten. Womöglich ist er auch voreingenommen, weil einer seiner Freunde Impfgegner ist und ein Buch geschrieben hat, in dem er gegen Aluminium-Adjuvantien zu Felde zieht?

Einige gesundheitliche Folgen sind in der Fachwelt weitgehend unstrittig. Dazu gehört, dass Aluminiumverbindungen bei Nierenkranken zu schweren Hirnschädigungen und Demenz sowie zu Blutarmut und Knochenerkrankungen führen können. Erstmals beobachtet wurde das bei Dialysepatienten, bei denen ungewollt Aluminium im Dialysewasser vorhanden war. Auch bei Dialysepatienten, die ab den 1970er-Jahren mit aluminiumhaltigen Medikamenten behandelt wurden, traten die Symptome auf. Die Medikamente sollten Phosphate aus Nahrungsmitteln binden, die bei Menschen mit Nierenschäden Beschwerden hervorrufen.

Die furchtbaren Folgen der Aluminium-Aufnahme für Dialysepatienten haben einen einleuchtenden Grund: Gesunde Menschen, die Aluminium über das Trinkwasser oder die Nahrung zu sich nehmen, scheiden rund 99,9 Prozent davon über den Kot und den Urin wieder aus. Nimmt man Aluminium hingegen unter Umgehung des Magen-Darm-Traktes auf – wie beim Dialysewasser oder den Medikamenten, die den Patienten verabreicht wurden –, verbleibt ein größerer Anteil im Körper.

Vorsicht bei Nierenproblemen

Was bei der Einnahme von Arzneimitteln gegen Sodbrennen wie Talcid passieren kann, steht auf dem Beipackzettel: „Falls Ihre Nierenfunktion eingeschränkt ist, haben Sie bei langfristiger Einnahme hoher Dosen von Talcid Kautabletten ein erhöhtes Risiko für eine vermehrte Anreicherung von Magnesium und Aluminium im Blut. Eine vermehrte Anreicherung von Aluminium kann langfristig zu schmerzhafter Knochenerweichung (Osteomalazie) oder krankhaften, nichtentzündlichen Hirnveränderungen (Enzephalopathie) führen.“ Auf Gefahren für Gesunde durch Aluminium weist der Beipackzettel nicht hin. Allerdings: Je nach Präparat gelangen bei Höchstdosierung der Medikamente bis zu vier Gramm Aluminium täglich in den Körper – das ist ein Vielfaches von dem, was ein erwachsener Europäer normalerweise über die Nahrung zu sich nimmt.

Dass eigene Verhalten hat einen Einfluss darauf, wie viel Aluminium man über die Nahrung zu sich nimmt. Wenn man etwa Tomaten- oder Schinkenscheiben verzehrt, die für längere Zeit in Alufolie einwickelt waren, steigert man den Aluminiumkonsum. Ein Hinweis darauf findet sich üblicherweise auf den Verpackungen der Folien: „Aluminiumfolie nicht zum Abdecken von feuchten, säure- oder salzhaltigen Lebensmitteln auf Servierplatten oder Schalen aus Metall verwenden. Aluminiumfolien dürfen nicht mit säure- oder salzhaltigen Lebensmitteln in Kontakt kommen.“

Unscheinbare Warnhinweise

Tatsächlich haben zahllose Messungen gezeigt, dass Aluminium aus der Folie in Lebensmittel gelangt – besonders schnell und viel, wenn eine Platte aus anderem Metall mit im Spiel ist. Letzteres ist für Chemiker nicht überraschend, weil Aluminium-Atome ihre Elektronen sehr leicht an edlere Metalle abgeben und dann wasserlösliche Aluminiumsalze bilden. Verbraucherschützer kritisieren allerdings nicht nur die unscheinbare Platzierung des Warnhinweises. Sie monieren auch, dass viele Alufolien-Hersteller den Hinweis noch mit einem Satz ergänzen: „An Lebensmittel abgegebene Aluminiumbestandteile sind jedoch nicht gesundheitsgefährlich.“

Die Kritik der Verbraucherschützer führt mitten hinein in die Aluminium-Kontroverse. Schon der Arzt und Gelehrte Paracelsus (gestorben 1541) wusste, dass die Dosis das Gift macht. Zudem hängt die Giftigkeit des Aluminiums davon ab, in welcher Verbindung oder in welchem Salz das Metall vorliegt:  Die einmalige orale Gabe von 160 Milligramm Aluminium pro Kilogramm Körpergewicht kann die Hälfte einer Mäuse- oder Rattengruppe töten – manchmal sind dafür aber auch 900 Milligramm nötig. Europäische Erwachsene dagegen nehmen, so wurde es in einer ganzen Reihe von Studien ermittelt, über Nahrung und Trinkwasser pro Kilogramm Körpergewicht in der Woche zwischen 0,2 und 1,5 Milligramm Aluminium auf. Das ist so wenig, dass es nicht zu akuten Vergiftungen oder unmittelbar spürbaren Gesundheitsschäden kommt.

Doch im Laufe des Lebens reichert sich Aluminium im Körper an, vor allem in der Lunge und den Knochen. Umstritten ist, welche Menge Aluminium ein Leben lang täglich aufgenommen werden kann, ohne dass sich Gesundheitsrisiken ergeben. Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat aufgrund der Ergebnisse von Zellkultur- und Tierversuchen 2008 abgeleitet: Wenn ein Mensch wöchentlich nicht mehr als ein Milligramm Aluminium pro Kilogramm Körpergewicht über die Nahrung zu sich nimmt, so ist er langfristig auf der sicheren Seite. Die Experten der Weltgesundheitsorganisation sowie der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen sind großzügiger: Sie halten – nachdem sie 2012 alle wissenschaftliche Studien zum Thema gesichtet hatten – die doppelte Menge für tolerierbar.

Entspannt zurücklehnen kann sich angesichts dieser Angaben allerdings niemand. „Verbraucherinnen und Verbraucher nehmen bereits über Lebensmittel hohe Mengen Aluminium auf, und die wöchentlich tolerierbare Aufnahmemenge ist wahrscheinlich bei einem Teil der Bevölkerung alleine durch Lebensmittel ausgeschöpft“, folgert das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) aus dem EFSA-Wert. Im Klartext: Alles, was über das per Nahrung zugeführte Aluminium hinausgeht, könnte auf Dauer gesundheitsschädlich sein.

Die Nahrung ist aber eben nicht die einzige Quelle für Aluminium. So hat das BfR 2014 experimentelle Studien zur geschätzten Aluminiumaufnahme durch Antitranspirantien bewertet. Beim Gebrauch der Deos kann Aluminium über die Haut in den Körper gelangen. Ein Teil davon, die „systemische Aufnahmemenge“, wird nicht unmittelbar ausgeschieden, sondern kann sich im Körper anreichern. Das BfR kommt zum alarmierenden Schluss, dass die wöchentliche systemische Aufnahmemenge schon bei gesunder Haut größer ist als die, die die EFSA für einen 60 Kilogramm schweren Erwachsenen als unbedenklich ansieht. „Die Werte für geschädigte Haut, beispielsweise Verletzungen durch eine Rasur, liegen um ein Vielfaches darüber“, so die Behörde.

Das BfR, das nicht für Panik-Mache bekannt ist, sieht die Aluminium-Aufnahme über Lebensmittel plus die Aufnahme aus entsprechenden Kosmetika wie Deos durchaus als problematisch an – von einer langjährigen Einnahme von Medikamenten gegen saures Aufstoßen ganz zu Schweigen.

Widersprüchliche Studien

Andererseits schreibt die Behörde im Oktober 2016 auf Anfrage: „Dem BfR liegen aktuell keine Studien vor, aus denen sich eine eindeutige wissenschaftlich fundierte Beantwortung der Frage ergibt, ob Aluminium zur Auslösung von Alzheimer bzw. Brustkrebs beiträgt.“

Wie aber kann das BfR zu dieser Einschätzung kommen? Einige wissenschaftliche Veröffentlichungen zeichnen ein anderes Bild: „Epidemiologische und experimentelle Ergebnisse weisen darauf hin, dass Aluminium nicht so harmlos ist wie früher gedacht, und dass es zum Beginn und zum Fortschreiten der Alzheimer-Krankheit beitragen kann“, so der Toxikologe Stephen C. Bondy von der Universität von Kalifornien. In seinem Übersichtsartikel, der Ende 2015 erschienen ist, zitiert er mehr als 120 Fachpublikationen. Judie Walton vom St. George Hospital in Sydney, Australien, geht noch ein Stück weiter: „Die Kausalitätsanalyse zeigt, dass chronische Aluminium-Aufnahme die Alzheimer-Krankheit verursacht.“ Walton meint damit auch die täglichen Aluminium-Mengen, wie sie Menschen in den Industrieländern aufnehmen. Sie beruft sich für ihre Analyse von 2014 auf 488 Publikationen.

Das Neueste in Sachen Aluminium und Brustkrebs ist vom September 2016: „Unsere Ergebnisse demonstrieren erstmals, dass Aluminium-Konzentrationen, wie sie auch in der menschlichen Brust gemessen werden, Kulturen von Brustdrüsen-Epithelzellen verwandeln können. Diese Zellen können dann in Maus-Krebs-Modellen Tumore bilden und metastasieren“, schreibt eine schweizerische Forschergruppe um den Onkologen Stefano Mandriota. Gemeint sind Konzentrationen von rund 100 Milligramm Aluminium in einem Liter Wasser oder einem Kilo Gewebe. Schon 2013 hatte die britische Onkologin Philippa Darbre von der Universität Reading in einem Übersichtsartikel formuliert: „Experimentelle Evidenz legt nahe, dass die gemessenen Konzentrationen im Brustgewebe das Potential haben, die Epithelzellen in der Brust nachteilig zu beeinflussen.“ Das Aluminium könne Prozesse stören, bei denen das Hormon Östrogen eine Rolle spielt und bewirken, dass die Zellen unkontrolliert wuchern. Darbre ist zusammen mit dem Chemiker Christopher Exley von der Keele Universität – ebenfalls Autor des Artikels – wesentlicher Kronzeuge in Ehgartners Film „Die Akte Aluminium“.

Doch Tatsache ist eben auch, dass es viele Dutzende Studien und Übersichtsarbeiten gibt, denen zufolge Aluminium nichts mit Alzheimer oder Brustkrebs zu tun hat: „Die Ergebnisse der vorliegenden Meta-Analyse unterstützen nicht eine verursachende Rolle von Aluminium für die Entstehung der Alzheimer-Krankheit“, sind Sohaib Virk und Guy Eslick von der Universität Sydney überzeugt. Ihre Analyse aus dem Jahr 2015 fasst die Ergebnisse von drei Studien mit insgesamt 1056 Teilnehmern statistisch zusammen. Und französische Forscher vom Zentrum Antoine-Lacassagne in Nizza schreiben: „Nach Durchsicht aller verfügbaren Literatur gibt es keine wissenschaftliche Evidenz“ für die Hypothese, dass es eine Verbindung zwischen der Anwendung von Deos und Brustkrebs gibt.

Irreführende Statistiken

Gerne wird diese verwirrende Lage auf einen Kampf von unabhängigen, am Allgemeinwohl interessierten Forschern mit industriehörigen Experten und überforderten Behörden zurückgeführt. Besonders verbreitet ist diese Haltung unter radikalen Impfgegnern, für die Aluminium-Adjuvantien nur Mosaiksteine in einer Verschwörung von Pharmakonzernen und Ärzten sind. Doch das ist wohl zu einfach gedacht. Auch kritische Forscher wie Darbre und Exley verfolgen egoistische Interessen – und sei es nur, ihre Jahrzehnte lange Forschung auf diesem Gebiet zu rechtfertigen.

Zu vermeiden sind auf jeden Fall echte Denkfehler. Einer davon lautet:  Dass Tumore meist im oberen, zur Achselhöhle hin orientierten Viertel der weiblichen Brust auftreten – also in größtmöglicher Nähe zum Anwendungsort von Antitranspirantien – beweise, dass Deos Brustkrebs hervorrufen. Genauso gut könnte man aus dem Geburtenrückgang in Deutschland zwischen 1965 und 1987 und der gleichzeitig sinkenden Zahl von Storchenpaaren in Deutschland folgern: Der Storch bringt die Kinder. Es ist einfach so: Im oberen, äußeren Brustviertel gibt es mehr Gewebe als in den anderen Vierteln. Folglich bilden sich dort auch mehr Tumore.

Solche Fehlschlüsse prangert der US-Mediziner David Gorski dann auch in einem Artikel über „Brustkrebs-Mythen“ an.  In dem Bemühen, Zusammenhänge zwischen Aluminium und Brustkrebs herzustellen, gingen manche Wissenschaftler „bis zum lächerlichen Äußersten“, empört sich der Chirurg vom Barbara Ann Karmanos Krebsinstitut in Detroit. Die Samthandschuhe sind also nicht nur zwischen den Journalisten, sondern auch unter den Wissenschaftlern beiseitegelegt.

Jenseits von Denkfehlern und widerstreitenden Interessen zeigt sich: Es ist extrem schwierig, die Ursachen und Einflussfaktoren von Krankheiten wie Alzheimer und Brustkrebs zu identifizieren. Umwelteinflüsse etwa müssen über Jahre oder Jahrzehnte hinweg wirken, bevor die Krankheiten offenbar werden. Aus der widersprüchlichen Studienlage lässt sich vor allem eines folgern:  Alzheimer und Brustkrebs sind äußerst komplexe Krankheiten, an deren Entstehung viele Faktoren beteiligt sind – genetische, umweltbedingte und biologische wie Alter oder Brustumfang. Aluminium spielt dabei allenfalls eine Nebenrolle. Generelle Angst vor Aluminium ist somit nicht angebracht. Doch es gibt Anlass, gesellschaftlich und individuell anzustreben, die Aluminium-Belastung gering zu halten.

Frank Frick, promovierter Chemiker und langjähriger Autor von bild der wissenschaft, wird nach der Recherche des Artikels kein aluminiumhaltiges Deo mehr kaufen.

Aluminium bei Impfungen

Tetanus, Hepatitis, Gebärmutterhalskrebs und Diphterie – Impfstoffe gegen diese Krankheiten enthalten üblicherweise Aluminiumhydroxid. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) gibt an, dass sich die lebenslang angehäufte Gesamtbelastung im Körper bei angenommenen 20 Impfungen auf 0,5 Milligramm Aluminium belaufe. Diese Menge stellt das PEI den rund 35 Milligramm gegenüber, die sich aus „anderen Quellen“ im Organismus ansammeln würden. Die Menge aus Impfungen sei damit „vor dem Hintergrund des Nutzens der Impfungen vertretbar.“ Auch für Kleinkinder sieht das PEI keinen Grund zur Besorgnis.

Bei den Angaben des PEI handelt es sich um Schätzungen aus Modellrechnungen und nicht um ermittelte Werte. So räumt das PEI ein, dass es keine Studien bei Menschen gibt, in denen Ausmaß und Geschwindigkeit der Aufnahme von Aluminium im Körper nach einer Impfung direkt untersucht wurden. Kritiker sagen dann auch, dass sich die Wirkung von injiziertem und von oral aufgenommenem Aluminium unterscheidet.

Nach Impfungen kommt es in der Nähe der Einstichstelle manchmal zu Entzündungen des Muskelgewebes. Dort schließen Fresszellen des Immunsystems aluminiumhaltige Partikel aus den Impfstoffen ein.  Fachleute bezeichnen das Phänomen als Makrophagische Myofasziitis (MMF). Streit gibt es um die Frage, inwieweit MMF auch für dauernde Muskelschmerzen, chronische Müdigkeit und sogar Nervenkrankheiten verantwortlich gemacht werden kann. „Es gibt bisher keine Daten, die einen kausalen Zusammenhang belegen“, schreiben die Experten des PEI. Bei Wissenschaftlern um Romain Kroum Gherardi von der Universität Paris Est-Créteil, liest sich das so: „Bei einer Überblicksstudie verschiedener französischer neuromuskulärer Zentren wurde ein starker statistischer Zusammenhang zwischen MMF und Myalgien (Muskelschmerzen, d. Red.) gefunden.“ Auch trete chronische Müdigkeit bei Menschen mit MMF signifikant häufiger und schlimmer auf als bei Menschen ohne MMF.

Autor: FrankFrick

seit 1995 freier Wissenschaftsjournalist, promovierter Chemiker. einjährige Journalistenschule Wissenschaftsjournalismus Praktika in der Öffentlichkeitsarbeit. 1997-2000: freier Redakteur der Zeitschrift „bild der wissenschaft“. 2012: Kurator der Ausstellung „Science Tunnel 3.0“ der Max-Planck-Gesellschaft, 2012-2015: Lehrbeauftragter der Universität der Saarlandes, Zertifikat „Wissen und Kommunikation“.

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