Dr. Frank Frick

Wissenschaftsjournalist

Oktober 15, 2018
von Frank Frick
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Bioökonomie: Die Chemikalien-Wende

Was heute aus Erdöl hergestellt wird, soll künftig in einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft aus Pflanzen oder Bioabfällen erzeugt werden. Jülicher Forscher haben untersucht, wie Pflanzen zu einem effizienten Rohstoff zur Produktion von Chemikalien werden.

Diesen Artikel hat der Wissenschaftsjournalist Frank Frick für den Jahresbericht 2017 des Forschungszentrums Jülich geschrieben, der sich hier herunterladen lässt.

Wogendes Getreide oder Kohl- und Spargelfelder haben viele vor Augen, wenn sie an Ackerbau denken. Doch vermutlich wird das Bild bald ergänzt werden – etwa durch Äcker, auf denen die aus Nordamerika stammende, bis zu fünf Meter hohe Virginiamalve „Sida hermaphrodita“ wächst. Warum aber sollten Landwirte Sida anbauen, eine Pflanze, die weder Nahrungsmittel liefert, noch als Tiernahrung taugt? Weil möglicherweise künftig Bioraffinerie-Betreiber die Ernte kaufen, um daraus Chemikalien zu gewinnen, die dann etwa zu Kunststoffen, Pflanzenschutzmitteln oder Medikamenten weiterverarbeitet werden.

Effizient zur Bioökonomie

Sida bringt dafür gute Eigenschaften mit: Von einer 10.000 Quadratmetern Fläche lassen sich bis zu 40.000 Kilogramm Triebe ernten. Eine Heuernte bringt nur ein Zehntel dieses Ertrags. Weil die Pflanze alle Jahre wieder sprießt, lassen sich Sida-Kulturen bis zu 30 Jahre lang nutzen, und brauchen dabei wenig Dünger und Wasser. Ein weiterer Pluspunkt: Sidablüten bieten Bienen reichlich Nahrung. „Die Vorteile kommen insbesondere dann zum Tragen, wenn aus der geernteten Pflanzenmasse letztlich ein hoher Anteil an wertvollen Basischemikalien gewonnen werden kann“, sagt Holger Klose vom Jülicher Institut für Bio- und Geowissenschaften (IBG). Genau das hat der Pflanzenwissenschaftler gemeinsam mit Kollegen aus Aachen und Jülich untersucht – bei Sida und vier anderen Pflanzenarten: Durchwachsene Silphie, Riesen-Chinaschilf, Riesen-Weizengras und Mais. „Wenn unsere Wirtschaft, die auf begrenzten Vorräten an Erdöl, Gas und Kohle beruht, zunehmend durch eine nachhaltige Bioökonomie abgelöst werden soll, müssen nachwachsende Rohstoffe möglichst effizient angebaut und genutzt werden“, sagt Prof. Ulrich Schurr, Direktor des Instituts für Pflanzenwissenschaften im IBG.

Chemisch gesehen besteht die Ernte bei den untersuchten Pflanzen hauptsächlich aus Lignocellulose. Dieser Verbund aus Cellulose, Hemicellulose und Lignin bildet das Gerüst der Pflanze. Die Papierindustrie setzt heiße Laugen und hohen Druck ein, um auf recht rabiate Weise Lignin und Hemicellulose von der Cellulose abzutrennen, die für Papier benötigt wird. „Allerdings ist das Biopolymer Lignin, das man auf diese Weise erhält, nur begrenzt verwertbar und wird zumeist verbrannt“, sagt Klose. Anders dagegen beim OrganoCat-Verfahren: Bei diesem Prozess, kommt die Lignocellulose in einen Reaktor, in dem sich neben einem Katalysator zwei nicht mischbare Flüssigkeiten befinden: 2-Methyltetrahydrofuran und Wasser. Unter relativ milden Bedingungen erhält man so neben Cellulose und Zuckern ein hochwertiges Lignin, das sich gut für die weitere chemische Verarbeitung eignet.

Prozesse optimal steuern

Die Forscher um Klose haben für alle fünf Arten den Anteil der Lignocellulose und deren chemische Zusammensetzung bestimmt. Nach der OrganoCat-Behandlung analysierten die Forscher die gewonnenen Stoffe. Die Ergebnisse präsentierten sie 2017 in der Fachzeitschrift Bioresource Technology. „Riesen-Weizengras – ursprünglich in Ungarn gezüchtet – liefert besonders viel hochwertiges Lignin“, bringt Klose ein Resultat auf den Punkt. Dennoch setzen die Forscher auch auf Sida und die anderen Rohstoffpflanzen. Denn erstens soll die Bioökonomie nicht zu Monokulturen führen. Zweitens macht sich die Industrie nicht gerne von einer einzigen Rohstoffquelle abhängig. Drittens beeinflusst die Nachfrage nach bestimmten Chemikalien, welche Quelle jeweils günstig ist.

„Um möglichst flexibel zu sein, muss man wissen, wie die Lignocellulose-Zusammensetzung einer Pflanzenart und die beim OrganoCat-Prozess erhaltenen Stoffe zusammenhängen. Dann könnte man Modelle entwickeln, wie man diese Prozesse optimal steuern kann“, so Klose. Die nächsten Schritte dahin unternehmen die Forscher im FocusLab AP3, in dem Jülich und die Universitäten Aachen, Bonn und Düsseldorf ihre Bioökonomie-Expertise zusammenführen. Ziel ist es, einen ersten Bioraffinerie-Prototypen unter der Verwendung des OrganoCat-Verfahrens zu bauen und dabei auch wirtschaftliche Aspekte zu untersuchen.

September 4, 2018
von Frank Frick
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Künstliche Intelligenz

Keine Frage: Unter den Einsatzmöglichkeiten künstlicher Intelligenz sind einige, die Angst einflößen. Das drastischste Beispiel sind Waffen, die sich selbstständig ihr Ziel suchen – ganz ohne menschliches Zutun. Was noch vor wenigen Jahren höchstens Autoren und Leser von Science-Fiction-Romanen beschäftigte, wird gerade Realität. Sonst würden die Vereinten Nationen nicht über ein Verbot solcher autonomen Waffen verhandeln.

Die neuen Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz schüren auch Ängste um den Arbeitsplatz. Da geht es nicht mehr um Roboter, die den Menschen bei stupiden und körperlich anstrengenden Tätigkeiten ersetzen. Künstliche Intelligenz könnte selbst Journalisten überflüssig machen – auch Wissenschaftsjournalisten?! Das Medienmagazin Journalist berichtet jedenfalls  in seiner aktuellen Ausgabe über Robotertexte bei Handelsblatt und Focus Online. Und Google gibt auf die Suche „künstliche Intelligenz Texte“ Anzeigen wie diese aus.

Doch es gibt auch hellere Seiten der eigentlich faszinierenden Technologie. Dazu gehört, sie in den Dienst der Wissenschaft zu stellen. Künstliche Intelligenz könnte etwa dazu beitragen, das menschliche Gehirn besser zu verstehen. So wertet der Jülicher Hirnforscher Prof. Simon Eickhoff auf spezielle Weise und mit Hilfe von künstlicher Intelligenz Schnittbilder des Gehirns aus, die mittels funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) gewonnen wurden.

Prof. Simon Eickhoff. Copyright: Forschungszentrum Jülich/ Sascha Kreklau

Er hat bereits gezeigt, dass sich aus den Bilddaten Informationen über Persönlichkeitsmerkmale eines Menschen gewinnen lassen, frei nach der Devise: „Zeige mir die Aufnahmen Deines Gehirns, und ich sage dir, wie du tickst.“ Eickhoff hofft, dass sich mit seiner Methode künftig unter anderem die individuelle Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls von Menschen beziffern lässt, die sich von einer schweren Depression erholt haben. Wissenschaftsjournalist Frank Frick hat im Auftrag des Forschungszentrums Jülich mit dem Hirnforscher gesprochen. 

August 10, 2018
von Frank Frick
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Mathematik für die Energiewende

Text des Wissenschaftsjournalisten Dr. Frank Frick in einer Sonderbeilage des Forschungsmagazins „bild der wissenschaft“. Sie entstand in Zusammenarbeit mit dem  Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik (ITWM).

Formel Grün

Die Energiewende stellt Stromanbieter, Stadtwerke, Netzbetreiber und Technikentwickler vor neue Aufgaben, die sich nur mithilfe der Mathematik bestmöglich lösen lassen.

Eine Überschrift in der Sächsischen Zeitung vom 9. Juli 2015 behauptet: „Erneuerbare Energien sind unberechenbar.“ Wörtlich genommen, hieße das: Es ist sinnlos, dass sich Mathematiker und Informatiker mit dem Strom beschäftigen, den Windkraft- und Solaranlagen produzieren. Doch die Realität ist eine völlig andere: Hochqualifizierte Rechen- und Programmierkünstler sind unerlässlich, um die Energiewende intelligent umzusetzen – und so zum Erfolg zu führen.

Sie möchten mehr lesen? Sie möchten wissen, warum die Informationstechnik ein wesentlicher Baustein einer gelingenden Energiewende ist? Kein Problem, ein Klick genügt und der layoutete Artikel auf den Seiten des Fraunhofer ITWM öffnet sich im PDF-Format.

 

August 1, 2018
von Frank Frick
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Chemieunternehmen berichten über Innovationen

Für Chemieunternehmen ist es schwer, ihre Forschungsergebnisse und ihre gesellschaftliche Bedeutung an die Frau und den Mann zu bringen. Viele Menschen winken von Anfang an ab, wenn sie das Wort „Chemie“ hören: „Das habe ich schon in der Schule nicht verstanden.“ Oder: „Ein dreckiges Geschäft…“ Nicht über ihre Innovationen und Fortschritte zu schreiben, kann aber für die chemische Industrie selbstverständlich nicht die Lösung sein. Sie muss Kunden informieren, neue Mitarbeiter gewinnen, Investoren überzeugen. Ansonsten kann ein Unternehmen im Wettbewerb nicht bestehen. Ein Unternehmen sollte Zielgruppen, die an der chemischen Industrie grundsätzlich interessiert sind, nicht durch schlechte Texte verscheuchen. Schlecht kann heißen: Ein Artikel arbeitet die Bedeutung eines Forschungsergebnisses oder einer Entwicklung nicht klar heraus. Oder er holt den Leser nicht bei seinem Alltagswissen ab. Oder er ist selbst für Chemie-Interessierte langatmig und langweilig. Zudem würden falsche Angaben wertvolles Vertrauen verspielen. Nebenbei: Vertrauen steht auch dann auf dem Spiel, wenn nicht klar wird, dass ein Text im Auftrag des jeweiligen Chemieunternehmens geschrieben wurde. Also wenn der Texter verheimlicht, dass es sich um einen Interessen-geleiteten Artikel handelt.

Profi-Texte lohnen sich

Folglich: Obwohl Texte, die von Chemieunternehmen beauftragt werden, wohl nie zum Publikumsrenner werden, macht es sich bezahlt, wenn sie von einem Profi geschrieben sind. Zwei aktuelle Beispielartikel von Dr. Frank Frick finden sich im Unternehmensmagazin Elements von Evonik und WWW von Wacker.

 

Juni 20, 2018
von Frank Frick
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Ein Paradies für Gamer

Willkommen in der virtuellen Welt: Experten des Jülich Supercomputer Centre ermöglichen es, dass man in die Ergebnisse von wissenschaftlichen Simulationen eintauchen kann wie in die virtuelle 3D-Umgebung eines Computerspiels.

Für manchen Computerspieler käme es dem Paradies wohl recht nahe: das Büro von Jens Henrik Göbbert. Dort steht die perfekte Grundausstattung für Virtual Reality (VR): vom leistungsstarken Computer über eine moderne VR-Brille bis hin zum stabförmigen Steuerungsgerät, dem Controller – kurzum die nächste Stufe auf dem Spielemarkt, in der die Spieler nahezu lebensechte Welten erkunden. Wer Göbbert besucht, darf sich die klobige Brille aufsetzen, den Controller in die Hand nehmen und in eine andere Sphäre eintauchen: Ein Schritt nach vorne im Büro ist ein Schritt vorwärts in einem Kosmos voller glitzernder kleiner Tröpfchen. Dreht Göbberts Besucher den Kopf nach links, sieht er einen silbrigen Flüssigkeitsstrahl. Ein Knopfdruck auf dem Controller und schon zoomt der Strahl heran. Computerspiel-Entspannung für Wissenschaftler und Gäste des Forschungszentrums?

Selbstverständlich nicht. Göbbert gehört zum Team „Visualisierung“ des Jülich Supercomputer Centre (JSC). Er arbeitet daran, wissenschaftliche Simulationen sichtbar zu machen. Forscher aus unterschiedlichen Fachgebieten wenden sich an ihn, um ihre Ergebnisse zu visualisieren oder sie in der virtuellen Realität genauer zu analysieren. Bei den Tröpfchen und der Flüssigkeit handelt es sich beispielsweise um Kraftstoff, den eine Düse in den Motor einspritzt. Diesen Prozess wollen Forscher des Instituts für Technische Verbrennung der RWTH Aachen verbessern.  Eine Herausforderung sind etwa die gigantischen Datenberge, die bei der Simulation des Einspritzvorgangs anfallen. Göbbert und seine Kollegen arbeiten an Methoden, die die Daten für die jeweilige Visualisierung direkt aus der Simulation herausziehen: Die Bilder oder die VR-Welt sollen künftig „live“ entstehen, während der Supercomputer rechnet,– ohne dass die Daten wie sonst üblich zuvor gespeichert wurden.

Neugierig geworden? Mehr finden Sie in der elektronischen Ausgabe der effzett 1-2018.

Alternativ können Sie die Printversion des Magazin aus dem Forschungszentrum Jülich hier herunterladen

Februar 16, 2018
von Frank Frick
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Energiespeicher-Pläne im Ruhrgebiet

Der Journalist Frank Frick hat die Texte des Schwerpunkts „Zeitenwende im Ruhrgebiet“ in der Februarausgabe von „Deutschlands erstem Wissenschaftsmagazin“ geschrieben.  Er berichtet darin etwa über den ehrgeizigen Plan, nach dem Aus der letzten Steinkohle-Zeche im Ruhrgebiet auf deren Gelände ein unterirdisches Pumpspeicher-Kraftwerk zu errichten. In einem anderen Artikel stellt der Journalist die Wasserstadt Aden vor, die in Bergkamen entsteht. Ihre Bewohner sollen mithilfe von Wasser aus ehemaligen Bergwerken heizen und kühlen.

bild der wissenschaft 2-2018

Hier ein Ausschnitt aus einem der Artikel des Schwerpunktes:

Energie der Marke Prosper-Haniel

Ein Pumpspeicher-Kraftwerk könnte auf dem Gelände eines Bergwerks in Bottrop regenerativ erzeugte Energie speichern.

„Die Chinesen würden gucken – und sie wären beileibe nicht die Einzigen“, ist Ingenieur André Niemann überzeugt, Professor an der Universität Duisburg-Essen. Das Bauwerk, von dem er spricht, wäre tatsächlich weltweit einmalig. Auf den ersten Blick zu erkennen wäre davon allerdings nur ein etwa 100 000 Quadratmeter großer See. Der Rest läge unter der Erde, in Tiefen bis zu 520 Metern.

Der Ort: das Bergwerk Prosper-Haniel in Bottrop. Im Dezember 2018 wird mit seiner Schließung die Zeit zu Ende gehen, in der die Bezeichnung Kohlenpott für das Ruhrgebiet einen Sinn ergab. Dann wird der schwarze Energieträger nicht mehr aus der Erde geholt. Und es könnte mit einem Bauwerk begonnen werden, dessen Planung weit fortgeschritten ist. Es würde helfen, das schwankende Angebot an „grünem“ Strom – mithilfe von Wind oder Sonne erzeugt – an den stets schwankenden Strombedarf anzugleichen. Das „Untertage-Pumpspeicherkraftwerk“ wäre ein perfektes Sinnbild für die deutsche Energiewende. Und zugleich stände es für den Strukturwandel im Ruhrgebiet. Mehr Symbolkraft geht nicht. Was derzeit noch fehlt, um die fertigen Pläne umzusetzen, sind allerdings Investoren.

Zukunft für Strecken und Streben

Die Idee geht auf das Jahr 2010 und ein kleines Team von Umweltwissenschaftlern an der Universität Duisburg-Essen zurück. Nachhaltigkeitsexperte Ulrich Schreiber bedauerte, dass die bergbauliche Infrastruktur – Schächte, Strecken und Streben – nach und nach einfach aufgegeben wurde. Schließlich hätten sie einen perfekten Zugang zur Unterwelt geboten. Als Geologie-Professor dachte Schreiber zunächst daran, diese Infrastruktur zur Nutzung der Erdwärme einzusetzen. Im Gespräch mit den Kollegen vom Institut für Wasserbau und Wasserwirtschaft um André Niemann kamen die Forscher dann auf die Möglichkeit eines unterirdischen Pumpspeicher-Kraftwerks.

Für ein Pumpspeicherkraftwerk braucht man normalerweise zwei Dinge: einen Berg und Wasser. Denn es besteht aus zwei Becken in unterschiedlicher Höhe, verbunden durch Druckrohrleitungen.  Soll elektrischer Strom gespeichert werden, so wird  Wasser vom Untersee in das Oberbecken gepumpt. Wird der Strom benötigt, wird das Wasser bergab zurück ins untere Bassin geleitet. Turbinen und Generatoren verwandeln die Kraft des fallenden Wassers wieder in elektrischen Strom.

Berge – und damit vergleichsweise viele Pumpspeicherkraftwerke – gibt es hierzulande vor allem in Süddeutschland, aber auch in den Nachbarländern Schweiz und Österreich. Für die Oberbecken werden manchmal ganze Berggipfel abgetragen. Oft befinden sich Druckrohre und Maschinen im Inneren eines Berges. Insofern ist der gedankliche Schritt von einem herkömmlichen Pumpspeicherwerk zu einer Anlage in einem Bergwerk nicht sehr groß. Statt Wasser von einer Bergspitze abwärts durch den Berg fließen zu lassen und in ein Talbecken zu leiten, kann man im Prinzip genauso gut Wasser von der Erdoberfläche aus in die Tiefe einer Bergwerksgrube fallen lassen. Weiterlesen →

Februar 4, 2018
von Frank Frick
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Die letzten Tage

„Was geschieht, wenn ein Mensch stirbt?“ Was die Wissenschaft heute weiß und wie die moderne Palliativmedizin dem Tod begegnet – darüber berichtet der Wissenschaftsjournalist Frank Frick in der Januar-Ausgabe 2018 von „bild der wissenschaft“.

Frank Frick gibt Antworten auf die zehn wichtigsten Fragen zum Thema Sterben. Hier zwei Beispiele.

Lassen sich Schmerzen wirkungsvoll bekämpfen?

„Bei weitaus den meisten Patienten lassen sich die Schmerzen soweit lindern, dass sie gut aushaltbar sind“, sagt Lukas Radbruch, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin. Viele seiner Patienten würden dabei eine Medikamentendosierung bevorzugen, bei denen sie die Schmerzen gut ertragen können, aber Nebenwirkungen wie etwa eine mangelnde Konzentrationsfähigkeit nicht spüren würden. Dass es auch einzelne Schwerstkranke gibt, deren Schmerzen nicht ausreichend verringert werden können, verschweigt Radbruch nicht.

Insbesondere für Krebskranke, die unter Tumorschmerzen leiden, setzen Palliativmediziner Opioide wie Morphin ein.  Viele Patienten, aber auch manche Ärzte, haben Vorurteile gegenüber diesen Medikamenten. Sie befürchten vor allem, dass Opioide süchtig – abhängig – machen. Das stimmt nicht: So sind etwa nicht immer höhere Dosen notwendig, um die ursprünglich durch niedrige Dosen erreichte Wirkung zu erzielen. Schmerzpatienten verspüren nicht den Zwang, Morphin einzunehmen, um einen bestimmten Bewusstseinszustand zu erreichen. Sie wollen einfach nur ihre Schmerzen loswerden. Oft wird auch angenommen, dass Morphin den Kranken dahindämmern lässt. „Das Gegenteil ist der Fall. Wenn Sie unter stärksten Schmerzen leiden, sind Sie eher durch die unerträglichen Dauerschmerzen benebelt und nur darauf fixiert“, so Sven Gottschling, Palliativmediziner und Chefarzt am Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg. Er wendet sich auch energisch gegen den Irrglauben, der Einsatz von Morphin beschleunige den Tod.

Sollten Menschen am Lebensende künstlich ernährt werden?

Palliativmediziner sind sich einig: Es gehört zum Sterbeprozess, wenn Menschen am Lebensende wenig oder gar nicht essen und trinken. Bedeutet: Sie verhungern oder verdursten nicht wie ein eigentlich gesunder Mensch, der nicht an genügend Nahrung oder Wasser kommt. Denn Sterbende haben einfach keinen Hunger und er quält sie somit auch nicht. Und wenn Menschen während ihrer schwerwiegenden Erkrankung leicht austrocknen, so steigt ihr Durstgefühl nicht an. „Wir wissen, dass diese leichte Austrocknung weder für den Betreffenden schmerzhaft ist, noch dass sich dadurch anderweitige leidvolle Symptome einstellen“, so der Homburger Professor Sven Gottschling. Wenn Sterbenskranke ein Durstgefühl haben, so ändert es sich nicht mit der Menge zugeführter Flüssigkeit. Pflegende können es stillen, indem sie die Mundschleimhäute des Sterbenden befeuchten.

Sein Kollege Gian Domenica Borasio sieht sogar Vorteile in einer verringerten Flüssigkeitszufuhr am Lebensende: „Insgesamt scheint das Sterben in einem Zustand des leichten Wassermangels die physiologisch für den Körper am wenigsten belastende Form des Sterbeprozesses darzustellen.“ Einer der Gründe: Wenn Sterbenskranke relativ wenig Flüssigkeit zu sich nehmen, so sinkt auch das Risiko, dass sich in Gewebe, Lunge oder Bauch Wasser ansammelt.

Vergleichsstudien zeigen mehrheitlich, dass Krebspatienten in den letzten Lebenswochen nicht von einer künstlichen Flüssigkeitszufuhr profitieren. Sie haben genauso wenig Durst, ihnen ist genauso häufig übel und bei ihnen kommt es genauso zu Verwirrtheitszuständen wie bei Krebspatienten, denen keine Flüssigkeit zugeführt wurde. „Nach sorgfältiger Abwägung im Einzelfall sollten künstliche Ernährung und Flüssigkeitszufuhr bei Sterbenden nicht gegeben werden“, folgert daher auch die Palliativmedizin-Leitlinie für Krebspatienten. Die durchschnittliche Lebenszeit verringert sich durch künstliche Ernährung und Flüssigkeitszufuhr ebenfalls nicht – auch nicht bei Menschen mit fortgeschrittener Demenz, die nicht mehr selbsttätig schlucken. Einer niederländischen Studie mit 178 Teilnehmern zufolge nahmen die belastenden Beschwerden von dementen Pflegebewohnern sogar ab, nachdem entschieden wurde, auf künstliche Ernährung und Flüssigkeitszufuhr zu verzichten.

Januar 28, 2018
von Frank Frick
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Frank Fricks wissenschaftliche Beiträge für die Chemie

Dass der Wissenschaftsjournalist Frank Frick im Chemie-Labor gestanden hat, ist schon eine ganze Weile her. Damals gab es das Internet zwar schon, aber nur sehr wenige nutzten es – und zur wissenschaftlichen Recherche ging man (noch) in die Bibliothek. Als „Forscher“ sei er im heutigen Internet ein unbeschriebenes Blatt, dachte Frank Frick daher. Umso erstaunter stellte er jetzt fest, dass ein Internet-Portal alle seine „alten“ wissenschaftlichen Veröffentlichungen sauber auflistet und so ein Forscher-Profil von ihm angelegt hat.

Exemplarischer „wissenschaftlicher Beitrag“ Frank Fricks zur Chemie

 

September 29, 2017
von Frank Frick
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Jahresbericht kommt an

„Wundervoll klar“, „gut verfasst“ und „schlüssig aufeinander abgestimmt“ – so lauten einige der Rückmeldungen auf den Jahresbericht 2016 des Forschungszentrums Jülich. Die Jury des „International Corporate Media Award“ hat ihn mit einem „Award of Excellence“ ausgezeichnet. Viele der Texte hat  der Wissenschaftsjournalist Frank Frick geschrieben.  Seine Texte handeln von Forschung auf sehr unterschiedlichen Gebieten:  Computersimulationen, Materialien, Quantenphysik, Photovoltaik, Batterien, Umwelt und Klima, Biotechnologie und Medizin. Ihm kommt dabei zugute, dass er journalistisch in verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen zu Hause ist. „Sehr große Nähe zu einer einzigen Fachrichtung birgt die Gefahr, sich von den Lebenswelten der Leser zu entfernen. Andererseits darf der Abstand zu der jeweiligen Disziplin auch nicht zu groß sein. Dann leidet das eigene Verständnis darunter und es können nicht mehr die richtigen Fragen gestellt werden“, begründet Frick seine Ausrichtung.

Blick auf die ersten zwei Seiten der Chronik im Jahresbericht 2016 des Forschungszentrums Jülich

Klein, aber oho

In diesem Blog weist der Wissenschaftsjournalist gerne auf die „größeren Stücke“ hin – so etwa auch schon bei dem Jülicher Bericht des Vorjahres. Doch auch die kürzeren und kurzen Texte erfordern einen professionellen Umgang mit dem journalistischen Handwerkszeug. Schauen Sie sich also ruhig auch einmal die Chronik auf den Seiten 8 bis 14 an, wenn Sie sich die PDF-Version des Jahresberichts 2016 unter diesem Link herunterladen. Das – ebenfalls häufig gelobte – Layout der Jahresberichts stammt übrigens erneut von der Agentur Seitenplan.