Dr. Frank Frick

Wissenschaftsjournalist

Januar 14, 2016
von FrankFrick
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Frische Form für Fakten

Mit Humor geht alles besser. Alles, das können auch wissenschaftliche Fakten sein. Für das Sonderheft „Power fürs Hirn“ von bild der wissenschaft hat der Wissenschaftsjournalist Frank Frick neben klassischen populärwissenschaftlichen Features und Berichten auch einen Text geschrieben, der ein wenig aus den journalistischen Stilformen herausfällt. Wie gefällt er Ihnen?

Cover Power fürs Hirn

Fragen an Dr. Clever

Was man wissen muss, wenn das Abitur ansteht.

Da ich nächstes Jahr nach meinem Abitur Medizin studieren will, brauche ich einen Notendurchschnitt von 1,0. Was soll ich tun, Dr. Clever?

Lernen, Debbie, was sonst?

Das wird kaum reichen. Der Tag hat nur 24 Stunden und schlafen muss ich auch. Allerdings nimmt eine Mitschülerin Pillen, durch die sie länger wach und konzentriert bleibt …

Früher haben wir uns dafür einen Kaffee reingezogen. Da gibt es übrigens die interessante wissenschaftliche Erkenntnis, dass fünf bis sechs Tassen Kaffee einen Menschen nach 85 Stunden Schlafentzug genauso gut wieder in die Spur zurückbringen wie 400 Milligramm Modafinil oder 20 Milligramm Amphetamin.

Die Tests waren wohl einfacher als die Rechnung, wie viele Tage 85 Stunden sind. 3,5 Tage ohne Schlaf – wer denkt sich denn so etwas Unmenschliches aus? Und sind Amphetamine nicht verboten?

Das war natürlich Militärforschung, genauer gesagt die Forschung des „Walter Reed Army Institute of Research“ in Silver Spring, USA. Und klar, Amphetamine sind hierzulande illegal. Wer mit Amphetaminen handelt, läuft in Gefahr, Bekanntschaft mit der Polizei zu machen – und wer Amphetamine nimmt, erhöht sein Risiko um das Fünffache, an einer Psychose zu erkranken.

Wahnsinn, dürfen doch in den USA Ärzte Kindern ein Amphetamin namens Adderall verordnen, wenn diese unter Aufmerksamkeitsstörungen leiden. Aber es bleibt ja noch Modafinil – gehandelt etwa unter den schönen Namen Vigil oder Provigil – um länger Formeln und Vokabeln pauken zu können. Modafinil ist doch zugelassen?

Wenn damit gemeint ist, dass man Modafinil auf Rezept bekommt: Ja. Aber nur, sofern man unter Narkolepsie leidet, also tagsüber krankheitsbedingt dauernd einschläft. Für alle anderen Indikationen – etwa Schlafstörungen bei Schichtarbeitern – hat die Europäische Arzneimittelagentur 2011 Modafinil die Zulassung entzogen, wegen eines zu ungünstigen Nutzen-Risiko-Verhältnisses. Aber natürlich sind junge Menschen ausgeschlafen genug, um sich das Zeug trotzdem und rezeptfrei über das Internet zu besorgen. Vielleicht sollten sie aber lieber tief schlafen und sich währenddessen Rosenduft um die Nase wehen lassen…

Hä, wieso das denn?

Weil Forscher der Universität Lübeck schon 2007 etwas sehr Interessantes herausgefunden haben: Wenn man etwas lernt, dabei über eine Duftlampe verteilten Rosenduft riecht, und später dann in der Tiefschlafphase erneut dem Rosenduft ausgesetzt wird, so erhöht sich die Chance, das Gelernte über Nacht auch zu verinnerlichen – Fachleute sprechen von einer verbesserten Gedächtniskonsolidierung.

Im Schlaf lernen, krass.

Na ja, es bleiben schon viele Fragen offen. Beispielsweise die, ob der positive Effekt auch dann erhalten bleibt, wenn man diesen Trick nicht nur einmalig, sondern über Monate hinweg anwendet.

Schade, außerdem muss man erstmal lernen, was sich konsolidieren soll. Aber mal was anderes: Der Gerd, der war doch früher so ein Zappelphilipp und hatte schlechte Noten. Heute ist er sogar in Mathe besser als ich. Der schluckt Ritalin. Vielleicht würde ich davon auch profitieren?

Oh, Ritalin, die Mutter allen Hirndopings. 2011 wurden von Methylphenidat, wie der Wirkstoff von Ritalin heißt, allein in Deutschland 170000 Kilogramm verkauft. Namensgeberin für Ritalin war übrigens Rita, die Ehefrau des Methylphenidat-Erfinders Leandro Panizzon, die das Mittel schluckte, um ihr Tennisspiel zu verbessern …

Zur Sache bitte.

Es gibt von Kopfschmerzen bis zu Selbstmordgedanken eine Reihe von Nebenwirkungen. Ritalin verbessert bei Gesunden nach der derzeitigen Studienlage die Aufmerksamkeit, aber nicht das Gedächtnis oder das Selbstvertrauen. Man kann Gerd für seine Leistungssteigerung nur gratulieren, aber ob sie auf Ritalin zurückzuführen ist und ob sie sich auf Gesunde übertragen lässt, ist eher zu bezweifeln.

Hhmmm… Manchen reicht eine zweifelhafte Wirkung aber schon aus, um mit Pillen zu experimentieren. Wenn das immer mehr meiner Mitschüler tun, gerate ich da nicht ins Hintertreffen?

Über die Frage, inwieweit man unter gesellschaftlichen Druck geraten kann, gegen die eigene Überzeugung Hirndoping-Mittel einzunehmen, wird schon seit einigen Jahren von Sozial- und Politikwissenschaftlern, Ethikern und Medizinern ebenso diskutiert wie von Journalisten und Zukunftsforschern. Meine Antwort: So lange die Medikamente so unwirksam sind wie die heutigen, haben Nicht-Schlucker keine Nachteile, im Gegenteil, denn sie leiden nicht unter den Nebenwirkungen.

Aber vielleicht gibt es ja doch irgendwo ein ganz, ganz geheimes Wundermittel?

Dann musst Du auch dran glauben, dass eine andere Mannschaft als Bayern München diese Saison Meister wird. Oder daran, dass jemand richtig vorhersagen kann, wie alt Du wirst. Oder daran,  dass sich das Klima plötzlich nicht weiter erwärmt. Ach, lassen wir das lieber, auch wenn ich gerade Spaß an diesen Vergleichen bekomme.

Sehr witzig. Sie wollen mir tatsächlich weismachen, Pauken sei der einzige Weg zu einem guten Abi?

Sag ich doch.

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Januar 7, 2016
von FrankFrick
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Glyphosat-Urteil: Im Namen der Wissenschaft

Auch erschienen auf wissenschaft.de

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA stuft Glyphosat, den meistverkauften Wirkstoff in Unkrautvernichtungsmitteln, als wahrscheinlich nicht krebserregend ein. Wer da Skandal ruft, von unglaublicher Ignoranz der Behörde oder gar von ihrer Käuflichkeit spricht, macht es sich zu einfach. Kritik am EU-Wirkstoffverfahren ist jedoch angebracht.

 Das Urteil vom 12. November 2015 der EFSA war zu erwarten. Es folgt der Position des Bundesamtes für Risikobewertung BfR, die schon länger zu einem offenen Geheimnis geworden war. Beide Behörden kommen damit zu einem anderen Schluss, als die Internationale Agentur für Krebsforschung IARC der Weltgesundheitsorganisation. Diese hatte Anfang des Jahres erklärt, Glyphosat sei wahrscheinlich krebserregend für den Menschen.

Lobbydruck der Pestizidindustrie?

Die Konstellation war und ist brisant: Alle Urteile erfolgen im Namen der Wissenschaft, die gemeinhin im Ruf steht, objektiv zu sein. Und trotzdem stehen sie im Widerspruch zueinander. Wie kann das sein? Die Vorsitzende des Vereins Slow Food Deutschland, Dr. Ursula Hudson, erklärte sich das Ende September in einer Pressemitteilung so, gemünzt auf BfR und EFSA: „Die zuständigen Behörden erwecken leider den Eindruck, als hätten sie sich dem Lobbydruck der Pestizidindustrie unterworfen.“ Ihre Stimme steht stellvertretend für alle, die BfR und EFSA verhohlen oder unverhohlen Käuflichkeit vorwerfen.

In dieser Situation ist klar: Nur ein äußerst gut begründetes Urteil hat die Chance, von möglichst vielen Menschen als glaubwürdig empfunden zu werden. Warum führt zum Beispiel eine Untersuchung an Mäusen, bei denen Lymphdrüsenkrebs bei Glyphosat-Aufnahme häufiger auftrat, nicht automatisch dazu, den Wirkstoff als krebserregend einzustufen? Die Antwort der EFSA in Kürze: Der Wert der Studie sei fraglich, weil eine Virusinfektion aufgetreten sei – die wiederum möglicherweise Tumorhäufigkeit und Überlebensrate beeinflusst habe. Vor allem aber hätten vier andere Mäuse-Studien keinen Hinweis auf einen krebserzeugenden Effekt erbracht. Diese Antwort ist plausibel.

Bewertung von reinem Glyphosat genügt nicht

Für das Vertrauen in das EFSA-Urteil besonders wichtig ist die Erklärung, warum es von dem der IARC abweicht (. Hier ist sie: Sie selber, so die EFSA, habe nur den reinen Wirkstoff bewertet, die IARC hingegen auch Pestizid-Formulierungen. Es gebe aber deutliche Hinweise darauf, dass die Zusatzstoffe in solchen Formulierungen deutlich giftiger und schädlicher für das Erbgut in den Zellen sind als Glyphosat selbst.  „Die Unterscheidung zwischen Wirkstoff und Pflanzenschutzmittel-Formulierung erklärt größtenteils die unterschiedliche Gewichtung der verfügbaren Daten seitens EFSA und IARC“, schreibt die EFSA.

Einleuchtend, allerdings gibt es ein Problem: Auf die Äcker werden keine reinen Wirkstoffe ausgebracht, sondern Pflanzenschutzmittel-Formulierungen. Die IARC-Bewertungen sind so gesehen deutlich realistischer als die der EFSA. Diese muss sich an das EU-Zulassungsverfahren halten, in dem eben zunächst nur der Wirkstoff betrachtet wird, während das Gesamtprodukt von den Zulassungsbehörden der einzelnen Mitgliedsländer bewertet werden soll. „Die Produkte eines Pestizidwirkstoffs, in der Kombination aller Inhaltsstoffe, müssen in geeigneter Form dahingehend überprüft werden, ob sie eine höhere Toxizität aufweisen als der Wirkstoff allein“, heißt es in einem Positionspapier, das zwölf Nichtregierungsorganisationen bereits im September veröffentlicht haben. Dem kann man nur zustimmen.

Die Begründungen der EFSA für ihr Urteil finden sie hier und auch hier.

September 17, 2015
von FrankFrick
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Was Wissen in der Medizin wert ist

Auch erschienen auf wissenschaft.de und focus.de.  

Ist Medikament XY wirksam? Welche Patienten werden besser nach Methode A behandelt als nach Methode B? Das Deutsche Cochrane Zentrum in Freiburg sichtet und bewertet die klinischen Studien zu solchen Fragen. So liefert es verlässliche und unabhängige Gesundheitsinformationen. Doch jedes Jahr muss es erneut für seine Finanzierung kämpfen.

 Eine Medizin, die auf gesichertem und überprüfbarem Wissen beruht, ist Deutschland nicht viel wert. Zu diesem Schluss kann man jedenfalls kommen, wenn man seinen Blick auf die Finanzierung des Deutschen Cochrane Zentrums richtet. Benannt ist es nach dem britischen Arzt Archibald Leman Cochrane (1909 bis 1993).

Das Zentrum ist die nationale Vertretung der Cochrane Collaboration. Dieses globale Netzwerk besteht aus Wissenschaftlern, Gesundheitsfachleuten und Patienten, die Entscheidungen in der Gesundheitsversorgung verbessern wollen. Dafür stellt die Organisation systematisch unter anderem in Übersichtsartikeln – Reviews – frei zugängliche Gesundheitsinformationen zusammen, die jeweils dem aktuellen Stand der Forschung entsprechen. Das klingt einfach und ist doch sehr kompliziert. Allein schon wegen der enormen Anzahl der klinischen Studien, mit denen die Wirkung, die Nebenwirkung und der Nutzen von medizinischen Verfahren geprüft wird: Wohl eine Million solcher Studien existieren derzeit und jährlich werden 20.000 neue veröffentlicht.

Schwächelnde Studien

Vor allem aber ist stets zu fragen: Waren die Studienbedingungen fair? Wurden systematische Fehler gemacht? Wurden alle Daten publiziert? Ist die verbale Interpretation der Daten in Ordnung? Tatsächlich haben viele Studien Schwächen. Weil die Planer nicht genügend auf die Fallstricke solcher Studien geachtet haben oder weil das geschäftliche Interesse der Industrie manche Studie beeinflusst. Die Cochrane Collaboration hat das im Blick.

Wenn Ärzte oder Apotheken ihre Patienten bestmöglich behandeln wollen, so sollten sie die Ergebnisse von klinischen Studien einbeziehen. Doch diese erscheinen heute nahezu ausschließlich in englischsprachigen Zeitschriften, zu denen Ärzte und Apotheken zudem häufig keinen einfachen Zugang haben. Das erschwert den Weg des Wissens von der klinischen Forschung in die Praxis. Da hilft speziell Cochrane Deutschland, diese Barriere zu überwinden.

 

Auf wissenschaft.de findet sich zum Thema auch meine Rezension eines Buches mit dem reißerischen Titel „Tödliche Medizin und organisierte Kriminalität“.

 

2014 und 2015 hat der Bund die Arbeit des Deutschen Cochrane Zentrums mit jeweils rund 230.000 Euro Projektmitteln gefördert. Das geht aus der kürzlich veröffentlichten Antwort auf eine kleine Anfrage der Fraktion „Die Linke“ hervor (http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/057/1805756.pdf). Das ist ein Kleinstbetrag angesichts von rund 194 Milliarden Euro, die allein die Gesetzlichen Krankenversicherungen 2014 für die Gesundheit der Deutschen auszahlten. Vor allem aber muss das Zentrum Projektmittel jedes Kalenderjahr neu beantragen. Eine der Folgen: Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mussten sich in den letzten Jahren jeweils im Oktober arbeitssuchend melden, weil keine rechtsverbindliche Finanzierungszusage für ihre Stelle vorlag.

Wenig Geld für eine wichtige Aufgabe

Da erscheint es wie ein bloßes Lippenbekenntnis, wenn die Bundesregierung schreibt: „Mit seiner Arbeit leistet das Deutsche Cochrane Zentrum eine wichtige Aufgabe für das deutsche Gesundheitswesen.“ Künftig werde die Bedeutung dieser Arbeit sogar noch zunehmen. Das wirkt ein bisschen so, als ob Eltern im Bekanntenkreis mit der schulische Leistung ihrer Kinder angeben und zugleich den Kindern das Geld für Buchlektüre und Lernsoftware vom Taschengeld abziehen. Ein solches Verhalten zu verstehen, fällt schwer. Möglicherweise hat das Geschäft mit der Gesundheit einflussreichere Fürsprecher als eine vernünftige Medizin.

 

 

September 15, 2015
von FrankFrick
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Jahresberichte – Wissenschaftsjournalist hilft

Seit 2003 unterstützt der Wissenschaftsjournalist Frank Frick das Forschungszentrum Jülich (FZJ) bei dessen Jahresberichten. Die Wissenschaftler des FZJ forschen etwa zur Energieversorgung, zu Atmosphäre und Klima sowie zur Informationstechnologie der Zukunft. Frank Frick textet dazu Chronik-Meldungen oder schreibt sechsseitige, lebendige Forschungsberichte. Vor kurzem ist die Ausgabe 2014 erschienen, die man sich hier herunterladen kann. Die Ansprüche an die Texte hatten sich erneut verändert – ebenso wie die an die Gestaltung. Diese stammt von der Agentur SeitenPlan.

Ein beispielhafter Text im Jahresbericht:

Hingucker in neuen Dimensionen

Elektronen- und Rastersondenmikroskope gehören zu den wichtigsten Werkzeugen in den modernen Naturwissenschaften. Gleich mehreren Jülicher Forscherteams ist es 2014 gelungen, die Möglichkeiten dieser weitverbreiteten Methoden aufsehenerregend zu erweitern. 

Den ganzen Artikel können Sie sich hier als PDF-Datei anschauen: Verbesserte Mikroskopie – JB 2014 FZJ

August 24, 2015
von FrankFrick
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Extended Version eines Zeitschriftenartikels

In der August-Ausgabe von „bild der wissenschaft“ hat Wissenschaftsjournalist Frank Frick nachgehakt: Sein Text zeigt, was aus der Superlinse geworden ist – 2008 hatte die Zeitschrift erstmals darüber berichtet. Hier der Artikel in einer Version, die etwas ausführlicher ist als die in bild der wissenschaft.

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Trübe Aussichten

Keiner hat sie eingesetzt bekommen: die Superlinse.

„Im Jahr 2014 bin ich 68. Dann lasse ich mir das künstliche Akkommodationssystem einbauen“, zitierte bild der wissenschaft in der Ausgabe 11/ 2008 („Die Superlinse“) den Ingenieur Georg Bretthauer. Der damalige Leiter des Instituts für Angewandte Informatik am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und durchschnittlich zehn seiner Mitarbeiter hatten 2008 schon einige Jahre an dem System getüftelt, das bei einer kleinen Operation statt der natürlichen Linse ins Auge eingepflanzt werden sollte. Zum einen bei Menschen, die sowieso eine Kunstlinse benötigen, weil der Graue Star ihren Blick trübt. Zum anderen aber auch bei Alterssichtigen, deren Linse beim Hin- und Herschalten zwischen Nah- und Ferndistanz nicht mehr mitkommt. Allen sollte das Implantat helfen, ohne Gleitsichtgläser oder dem ständigen Brillenwechsel im Alltag scharf zu sehen.

Wäre das Implantat heute einsatzbereit, hätte Bretthauer es sich an der Universitäts-Augenklinik Rostock einsetzen lassen, dem medizinischen Partner der Karlsruher Ingenieure. Doch es gibt bislang nur den „Demonstrator IV“. Dieses System ist prinzipiell funktionsfähig – aber: Alle Komponenten sind doppelt so groß, wie sie sein dürften. Tatsächlich hat es sich als sehr schwierig erwiesen, Linsensystem, Antrieb, Sensoren, Regelung, Energieversorgung und Informationstechnik in einem Volumen von lediglich 70 Kubikmillimetern unterzubringen. Dass so wenig „Bauraum“ (Bretthauer) zur Verfügung steht, hatten die Rostocker Mediziner um Rudolf Guthoff erst im Laufe des Projektes erfahren: „Als Rudolf mit der Nachricht kam, dass der Querschnitt des Implantats nur  neun anstatt ursprünglich zehn Millimeter sein darf,  habe ich ihn gefragt: Weißt Du eigentlich, dass sich der Bauraum mit dem Quadrat des Radius verringert –nicht um rund 10, sondern um fast 30 Prozent?“, erinnert sich Bretthauer.

Der Karlsruher Professor verweist darauf, dass viele Fragen gelöst worden seien: etwa die, wie man es schaffen kann, dass ausschließlich der behandelnde Arzt das System per Fernsteuerung nachjustieren kann und nicht irgendwelche Unbefugte „hacken“ können. Extreme Fortschritte habe es beispielsweise auch dabei gegeben, den Energiebedarf der Superlinse zu reduzieren. Bretthauer ist überzeugt, dass die weitere Miniaturisierung des Systems möglich ist. „Wir bräuchten drei bis fünf weitere Jahre und 25 Millionen Euro, um es bis zur Marktreife zu entwickeln“, sagt er.

Das Problem: Bretthauer ist inzwischen im Ruhestand, die Förderung seiner Forschung am KIT ist ausgelaufen. Aktuell sucht er nach Forschungseinrichtungen und Unternehmen, die ein Entwicklerteam finanzieren. Damit hat er sich eine Aufgabe gestellt, die schwieriger sein könnte als alle bisherigen.

Dabei möchte der rührige Ingenieur auch noch eine weitere Vision realisieren, die ihn seit drei Jahren antreibt: Er will akkommodierende Kontaktlinsen bauen, die ihren alterssichtigen Trägern die jugendliche Sehfähigkeit für Nah und Fern wiedergibt. „Der Markt dafür ist viel größer als für Implantate“, sagt Bretthauer. Vor allem aber: In die Kontaktlinse eingebaut, braucht das System nicht garantierte 30 Jahre lang zu funktionieren – herkömmliche Kontaktlinsen werden üblicherweise spätestens nach einem Jahr durch neue ersetzt.

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August 20, 2015
von FrankFrick
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Storytelling und Corporate Publishing

Zugegeben: Ich habe gezweifelt, ob ich mich für die Schulung „Storytelling in der Unternehmenskommunikation“ anmelden sollte. Scheint mir doch der Begriff „Storytelling“ als die neueste Kuh, die PR-Agenturen und Corporate-Publishing-Verlage durch das Dorf treiben. Von mir erwarten die Auftraggeber häufig, Geschichten jenseits des klassischen Aufbaus eines Zeitungsmeldung oder eines Zeitungsberichts zu erzählen – muss das jetzt unbedingt Storytelling heißen? Und die Idee, dass eine gute Geschichte viele Leser mehr fesseln kann als die üblichen journalistischen Stilformen, ist älter als das Internet und selbst älter als ich. Wobei die gute Geschichte im Journalismus sich natürlich an die Fakten halten muss.

Doch nun muss ich sagen: Es hat sich gelohnt, dass ich am zweitägige Workshop von Marie Lampert teilgenommen habe. Anregend war allein schon der Austausch mit Kollegen darüber, wie sich die besonderen Schwierigkeiten überwinden lassen, wenn  man Geschichten aus der Wissenschaft oder über Forschung erzählen möchte. So sind es Forscher meist nicht gewöhnt, in den Mittelpunkt einer Geschichte gerückt zu werden – schließlich soll es nach ihrer Meinung um die Sache und nicht um sie selbst gehen. Vor allem aber hat Marie Lampert ein paar Werkzeuge vorgestellt, um die Story-Produktion anzuregen: die Mindmap des Aristoteles, die Inseln der Verständlichkeit, die Heldenreise, die Leiter des Erzählens. Nicht alle werden immer zum Einsatz kommen können. Und sicher gibt es auch andere Wege zur Story. Aber es ist gut, wenn man jederzeit zu diesen Werkzeugen greifen kann, um ein Thema aus einer neuen Perspektive zu betrachten oder einen Artikel spannender zu machen.

Juli 17, 2015
von FrankFrick
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Fracking: Gute Theorie, schlechte Praxis

Auch erschienen auf wissenschaft.de

Nun hat sich auch die Deutsche Akademie für Technikwissenschaften acatech gegen ein generelles Fracking-Verbot ausgesprochen. Gleichzeitig fordert sie hohe Sicherheitsstandards und einen offenen Dialog über die Risiken. Dass viele Menschen der Industrie genau in diesen Punkten nicht trauen, hat durchaus rationale Gründe – Gründe, die es der acatech-Position schwer machen, sich durchzusetzen.

Die acatech vertritt die deutschen Technikwissenschaften im In- und Ausland in – so die Selbstauskunft – „selbstbestimmter, unabhängiger und gemeinwohlorientierter Weise“. Das erklärte Ziel ihrer aktuellen Stellungnahme ist es, die Diskussion um das Fracking mit einer wissenschafts- und technikbasierten Abwägung zu unterstützen – angesichts verhärteter Fronten zwischen Befürwortern und Gegnern. Das Ergebnis: Insgesamt, so acatech Präsident Reinhard F. Hüttl, „lassen sich Beeinträchtigungen des Trinkwassers, Austritte von Methan-Gas und induzierte Mikro-Erdbebentätigkeit bei einem verantwortungsvollen, sachgemäßen Einsatz der Technologie so weitgehend ausschließen, dass ein generelles Verbot wissenschaftlich nicht zu begründen ist.“ Dieser Standpunkt liegt auf einer Linie mit den geologischen und technologischen Fachgesellschaften weltweit. Insofern ist er auch wenig überraschend.

Das Problem verbirgt sich in dem Wort „verantwortungsvoll“ von Hüttls Aussage. Zwei Beispiele mögen das illustrieren. Erstes Beispiel: Wissenschaftlich und technisch gibt es keinen Grund, warum eine Raffinerie nicht sicher zu betreiben wäre, in der Erdöl zu Diesel, Benzin und chemischen Rohstoffen umgewandelt wird. Doch wer wie ich in der Nähe der größten deutschen Raffinerie lebt, der Rheinland-Raffinerie von Shell südlich von Köln, kennt noch eine andere Realität: Vor einem Monat stand nach einem Brand eines Ofens der Olefin-Anlage stundenlang eine kilometerhohe schwarze Rauchsäule am Himmel. 2014 trat giftiger und stinkender Schwefelwasserstoff aus, außerdem explodierte ein Tank mit der giftigen Chemikalie Toluol. 2012 sickerte mindestens eine Million Tonnen Kerosin ins Erdreich – Ursache hier: veraltete Rohrleitungen.

Lecks bei der Förderung
Zweites Beispiel: Ein Team der Universität Innsbruck hat 2014 an Luftmessungen über einem Fracking-Gebiet im US-Bundesstaat Colorado teilgenommen. „Wir finden krebserregendes Benzol, giftigen und übelriechenden Schwefelwasserstoff und eine Vielzahl von Vorläufersubstanzen für gesundheitsschädliches Ozon in ländlichen Gegenden, wo man eigentlich saubere Luft erwarten würde“, resümierte daraufhin Teamleiter Armin Wisthaler. „Unsere Messungen bestätigen die Befunde amerikanischer Kollegen aus anderen Gegenden, in denen Fracking intensiv betrieben wird.“ Verantwortlich für die Befunde sind wahrscheinlich Lecks bei der Förderung, Aufbereitung und Verteilung des gewonnenen Erdgases.

Das ist die Praxis: Wartung und die Einhaltung hoher Sicherheitsstandards verringern den Profit. Bislang sind die Erdöl- und Erdgaskonzerne dieser Welt nicht dadurch aufgefallen, dass sie besonders verantwortungsvoll mit unserer Umwelt umgehen. Insofern ist es verständlich, dass ihnen viele Bürger misstrauen. Und nun werden viele von ihnen zweifeln, dass die acatech-Forderungen nach strengen Sicherheitsstandards, rechtlich klaren Regelungen und umfassender Überwachung tatsächlich fruchten.

Keine Veränderungen in Sicht
Dass die Stellungnahme der acatech die verhärteten Fronten zwischen Befürwortern und Gegnern also tatsächlich aufweichen kann, ist daher unwahrscheinlich. Schade – es verringert die Aussichten, dass die Wissenschaft die Chancen und Risiken des Frackings ausloten kann. Denn die Technologie könnte tatsächlich helfen, die Energiewende besser hinzubekommen. Sie würde die Abhängigkeit von ausländischen Erdgaslieferungen verringern, auf die man trotz des weiteren Ausbaus der erneuerbaren Energien noch Jahrzehnte angewiesen sein wird. Heimisches Erdgas muss nicht energieaufwendig über Tausende von Kilometern transportiert werden. Zudem ist sein Verbrauch mit deutlich geringem CO2-Ausstoß verknüpft als der Verbrauch von Kohle oder Öl.

 

Mai 20, 2015
von FrankFrick
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Materialforschung: „Sprühende Ideen“ zum Herunterladen

„Sprühende Ideen“ heißt eine Sonderbeilage der Zeitschrift „bild der wissenschaft“, die im Januar zum Thema „Materialforschung“ erschienen war. Der einführende Artikel, acht Druckseiten lang und reich bebildert, stammt vom Wissenschaftsjournalisten Frank Frick, dazu noch ein weiterer Text („Sanfter Körperkontakt). Die Baden-Württemberg Stiftung hat das Heft jetzt hier zum Download bereitgestellt. Das bietet für den Besucher dieser Seiten die Möglichkeit, sich auch die Fotos und den layouteten Artikel ansehen zu können. Die reinen Textversionen gibt es auch hier (Artikel: Farne als Vorbild) und hier (Artikel: Sanfter Körperkontakt).

Mai 5, 2015
von FrankFrick
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bdw-Themenheft „Power fürs Hirn“ erschienen

Wesentlich beteiligt an Konzept, Text und Redaktion.

Cover Power fürs Hirn

Uff, nun ist es auch offiziell raus: das Sonderheft der Zeitschrift bild der wissenschaft „Power fürs Hirn – Was Stimulanzien wirklich leisten“. Alle Texte der 98-seitigen Ausgabe zum Neuro-Enhancement (Fachjargon), so steht es auf Seite 5, „stammen von zwei erfahrenen Wissenschaftsjournalisten: Hinter dem Namenskürzel ff steckt Frank Frick. Der promovierte Chemiker ist seit 20 Jahren freier Journalist und Autor von bdw-Beiträgen – darüber hinaus hat er als freier Redakteur den Texten dieser Ausgabe den letzen Schliff gegeben. Frick greift Themen aus Naturwissenschaft, Technik und Medizin auf und ist außerdem seit 2012 Lehrbeauftragter der Universität des Saarlandes. Autorin der Beiträge mit dem Kürzel „wr“ am Ende ist Wiebke Rögener-Schwarz. Die promovierte Biologin arbeit nach wissenschaftlicher Tätigkeit in der Immun- und Neurobiologie seit 1995 als freie Wissenschaftsjournalistin und ist seit 2006 am Lehrstuhl für Wissenschaftsjournalismus der TU Dortmund.“

Was Chefredakteur Wolfgang Hess zum Heft schreibt, findet man hier, wenn man auf das entsprechende Cover klickt.

Beiträge von Frank Frick:
1. Wer dopt – und warum?
2. Gedächtnispillen für Gesunde
Die Hoffnung trügt, dass Medikamente gegen Alzheimer das normale Gedächtnis verbessern. doch neue Wirkstoffe könnten die Situation ändern.
3. Sport macht geistig fit
Wer seine Hirnleistung verbessern will, sollte zu einem Mittel greifen, das es in keiner Apotheke gibt – körperliche Aktivität.
4. Das Phänomen
Gert Mittring zieht schneller die 13. Wurzel aus einer 100-stelligen Zahl, als andere die Aufgabe in einen Computer eingeben können.
5. Fragen an Dr. Clever
Was man wissen muss, wenn das Abitur ansteht.
6. Experimente am eigenen Gehirn
Das Internet verbreitet die Ideen von Hirndoping-Enthusiasten und fördert das Geschäft mit Pillen und Stimulationsgeräten.
7. Gehirnjogging: Ansichtssache
Mit Gehirnjogging-Angeboten lässt sich viel Geld verdienen. Ob sie auch wirksam sind, darüber streiten Wissenschaftler ungewöhnlich heftig.
8. iBrain – Chip im Gehirn
Im Science-Fiction-Genre verschmelzen Mensch und Maschine schon seit Langem. Und in der Wirklichkeit?
9. Der Segler und die Ente (mit Illustrationen von Florian und Clara Frick)
Die Gehirnleistung lässt sich ganz ohne Doping verbessern. Hier sind die wichtigsten Tipps für den Alltag.

Zur Webseite der geschätzten Kollegin Wiebke Rögener geht es hier.

April 30, 2015
von FrankFrick
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Forscher beim Schreiben unterstützt

„Der Weg zum schwimmenden Nanoroboter“ – so lautet der Titel eines populärwissenschaftlichen Artikels in der April-Ausgabe der Zeitschrift „Spektrum der Wissenschaft“. Sein Autor, Prof. Gerhard Gompper, Direktor am Institute of Complex Systems und am Institute for Advanced Simulation des Forschungszentrums Jülich, dankt darin offiziell „dem Wissenschaftsjournalisten Dr. Frank Frick für seine Unterstützung“. Gerne geschehen!